Merkmale des Bestandes

Der Bestand (BHE Behandlungseinheit) ist die unterste Bestockungs- und Planungseinheit. Sie ist gleichzeitig die kleinste flächige Abgrenzung in der Karte. Als Behandlungseinheiten gelten auch alle Nichtholzböden (NHB), sonstige Flächen (SF) und nicht eingerichtete Flächen (NEF). Die in diesem Abschnitt behandelten Merkmale des Bestandes werden im FIP2-Modul „Waldbeleg“ Grid 1.1 Bestand (allgemein) erfasst.

FIP2 Erfassungsmaske für Bestandesmerkmale (Ausschnitt)

#Fläche des Bestandes

Pflichtfeld! Die absolute Flächen des Bestandes wird je nach Verfahren vom Einrichter zunächst geschätzt oder bei einer Digitalisierung vor Dateneingabe von der Kartographie vor das Dateneingabe automatisch eingelesen. Die Fläche ist in Hektar mit 2 Nachkommastellen anzugeben. Bei der Digitalisierung nach Abschluss der Erfassung des Datensatzes werden die Flächen in FIP2 durch einen Flächenimport aus der digitalen Karte importiert.

Für Holzboden sollte i.R. eine BHE-Mindestfläche von 0,20 ha ausgewiesen werden. Landesspezifisch abweichende Vorgaben von staatlichen Forstbehörden sind hier zu berücksichtigen.

#Eigentumsart

Pflichtfeld! Die Eigentumsart/Rechtsform charakterisiert die Art des Forstbetriebes hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse. Es wird die Kennung erfasst.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Eigentumsart

#Betriebsflächentyp

Pflichtfeld! Für jeden Bestand muss ein Betriebsflächentyp (BFT) festgelegt werden.

FIP2 Merkmalschlüssel für den Betriebsflächentyp

#Nutzungsart

Pflichtfeld! für Nichtholzboden und sonstige Flächen, es muss bei diesen Betriebsflächentypen eine Nutzungsart (NA) ausgewiesen werden.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Nutzungsart

#Betriebsart

Pflichtfeld! Für Holzboden ist die Betriebsart (BA) zu erfassen. Die Betriebsart (oft auch Betriebsform genannt) charakterisiert das angewendete Waldbausystem. Altersklassenwald und Plenterwald definieren zusammen den Hochwald, der aus Kernwüchsen entsteht. Der Niederwald entwickelt sich aus Stockausschlägen. Der Mittelwald stellt eine Kombination beider Formen dar.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Betriebsart
Altersklassenwald
Der Altersklassenwald ist eine Betriebsart, bei der räumlich getrennte Flächen von (annähernd) gleichaltrigen Beständen in einem Zyklus von Pflanzung, Pflege, Ernte (Kahlschlag) und erneutem Pflanzen schlagweise bewirtschaftet werden. (Quelle)
Plenterwald
Ein Plenterwald ist ein im Plenterbetrieb bewirtschafteter Hochwald. Er ist ein sich stetig verjüngender Dauerwald, in dem Bäume aller Dimensionen kleinstflächig bis einzelstammweise vermischt sind. Im Plenterbetrieb werden einzelne Bäume gefällt und so ein permanenter Hochwald geschaffen. (Quelle)
Mittelwald
Ein Mittelwald ist eine Betriebsart, bei der zwei Bewirtschaftungsformen miteinander kombiniert werden: der Niederwald mit seinen kurzen Umtriebszeiten und einer gleichaltrigen Unterschicht, und der Hochwald mit seinen langen Umtriebszeiten und einer meist ungleichaltrigen Oberschicht. (Quelle)
Niederwald
Niederwald ist die Bezeichnung für einen Wald aus Stockausschlag.

#Bewirtschaftungsform

Pflichtfeld! nur für HB; keine Eingabe für NHB, SF und NEF Für Holzboden wird in zwei Bewirtschaftungsformen (BWF) unterteilt:

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Bewirtschaftungsform
Wirtschaftswald in regelmäßigem Betrieb
Wirtschaftswald im regelmäßigen Betrieb (rB), umfasst alle Holzbodenflächen, die einer regelmäßigen Bewirtschaftung unterliegen
Wirtschaftswald im außerregelmäßigem Betrieb
Wirtschaftswald außerregelmäßigem Betrieb (arB), umfasst alle Holzbodenflächen, die nicht regelmäßig bewirtschaftet werden können, oder deren nachhaltige Nutzungsmöglichkeit für absehbare Zeit unter 1 Erntefestmeter Derbholz je Jahr und ha liegt

#Betriebsklasse

Pflichtfeld! für HB, NHB und NEF; keine Eingabe für SF Bestände können aus unterschiedlichen Gründen Einschränkungen bezüglich der Bewirtschaftung unterliegen. Die Betriebsklasse (BK) definiert die Zugehörigkeit der Bestände zu spezifischen, wirtschafts- bzw. behandlungsrelevanten Gruppen.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Betriebsklasse

Flächen der natürlichen Waldentwicklung, die im Rahmen des Förderprogramms Klimaangepassten Waldmanagements (KAWM) ausgewiesen werden müssen, sollten der Betriebsklasse „Flächen der natürlichen Waldentwicklung“ zugeordnet werden. Dieses Merkmal wurde mit der FIP2-Version 26.2.17.0 eingeführt und wird auch erst aber dieser Version im Wirtschaftsbuch aufgeführt. Sollten Sie mit einer älteren Version arbeiten, können Sie die Flächen auch in die Betriebsklasse extensiv bewirtschaftbar einordnen. Dies erscheint dann aber nicht im Wirtschaftsbuch. Wir empfehlen daher die zusätzliche Nennung in der textlichen Bestandesbeschreibung.

#Bestandesklasse

Pflichtfeld! für HB und NEF; keine Eingabe für NHB und SF Die Bestandesklassen (BKL) werden für eine Zusammenfassung unterschiedlicher Bestände für zahlreichen Auswertungen benötigt . In FIP2 werden standardmäßig acht Bestandesklassen - Waldbestände mit ähnlichen Bestandszustandstypen (Baumartenvergesellschaftung) - ausgewiesen.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Bestandesklassen

#Bestandeszustandstyp

Pflichtfeld! für HB und NEF; keine Eingabe für NHB und SF Der Bestandeszustandstyp (BZUT) ist eine aus standörtlichen Grundlagen abgeleitete Zusammensetzung der Hauptbaumarten und der Nebenbaumarten des Oberstandes und untergliedert die Bestandesklasse.

FIP2 Merkmalsschlüssel für den Bestandeszustandstyp

#Bestandesschichtung

Eingabe nur für HB Die Bestandesschichtung (BSTG) beschreibt die Anzahl der Schichten des Bestandes und ordnet ihn einem Bestandeszustandstyp zu.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Bestandesschichtung

#Feinaufschlussgrad

Eingabe nur für HB Der Feinaufschlussgrad (FAG) beschreibt den Erschließungsgrad des Bestandes. Das angrenzende Schneisen- und Wegenetz ist bei der Ansprache mit zu berücksichtigen.

FIP2 Merkmalsschlüssel für den Feinaufschlussgrad

#Bestandesentstehung

Eingabe nur für HB Die Bestandesentstehung (BENT) beschreibt die Begründungsart des Bestandes.

FIP2 Merkmalsschlüssel für die Bestandesentstehung

#Vorrat und Zuwachs des Bestandes

Der Vorrat des Bestandes wird als Vorrat absolut des Bestandes (VGes-Bst) und Vorrat je Hektar des Bestandes (V-Bst-[ha]) berechnet und ist die stehende Menge Holz des Bestandes mit einem Brusthöhendurchmesser größer gleich 7 cm und wird für Derbholz in Vorratsfestmeter (Vfm) bzw. (Vfm/ha) angegeben.

Der Zuwachs des Bestandes wird als Zuwachs absolut des Bestandes (ZWges.) und Zuwachs je Hektar des Bestandes (ZWHABST) berechnet und wird für Derbholz in Vorratsfestmeter (Vfm) bzw. (Vfm/ha) angegeben.

Vorrat und Zuwachs des Bestandes sind nicht einzugeben, sondern sie ergeben sich aus den Berechnungen und Eingaben in Grid 2.1 Schichten (allgemein) und Grind 3.1 Baumarten.

#Weitere Bestandesmerkmale

Für den Bestand können weitere Merkmale erfasst werden. Zu diesen Merkmalen liegt ggf. ein Merkmalsschlüssel vor, der in FIP2 anwenderfreundlich hinterlegt ist.

Liste weiterer FIP2 Bestandesmerkmale

  • Textliche Bestockungsbeschreibung (TBBE), hier können wichtige Besonderheiten zum Bestand beschrieben werden

TBBE Beispiel 1: "im Unterstand viel Faulbaum, Brombeere, Himbeere; im SO tiefer Geländeeinschnitt (Graben); Horstschutzzone"

TBBE Beispiel 2: "RBU im S vereinzelt abgestorben; einzelne alte Armeestellungen"

  • Textliche Planung (TPL), hier könne Texte für die Bestandesplanung hinterlegt werden

TPL Beispiel 1: "RG markieren; Protzenaushieb; SCH stärker im dichter bestockten N-Teil und am südl. Rand (Eigentumsgrenze)"

TPL Beispiel 2: "Hiebsruhe; ggf. in der Lücke im NW Waldstreifenpflug zur Einleitung NV"

  • Himmelsrichtung (HR) des Bestandes in der Teilfläche
  • Lebensraumtyp (LRT)des Bestandes, Ein Lebensraumtyp, auch FFH-Lebensraumtyp, ist ein abstrahierter Typus aus der Gesamtheit gleichartiger und ähnlicher natürlicher Lebensräume und dient als besonders hoher Schutzstatus der Beschreibung der Landschaft im Rahmen der Vorgaben FFH-Richtlinie. Jeder der (zZ) 231 Lebensraumtypen hat einen europaweit eindeutigen EU-Code. Einige Lebensraumtypen wurden als prioritär eingestuft, das heißt, dass sie vom Verschwinden bedroht sind und dass die Europäische Union eine besondere Verantwortung für deren Erhaltung hat, weil ihr Verbreitungsschwerpunkt in Europa liegt. Ein FFH-Lebensraumtyp ist somit ein Biotoptyp mit besonderem EU-Schutzstatus. (Quelle) Hier kann derzeit in der Standardversion nur ein LRT pro Bestand ausgewiesen werden. Entsprechend bietet es sich an, die Bestände LRT-rein auszuweisen. Für Forstbetriebe mit hohen Anforderungen an den Naturschutz kann von der OGF eine zusätzliche Naturschutzseite pro Bestand im Wirtschaftsbuch erzeugt werden, die zudem eine FFH-Vorprüfung ermöglicht. In diesem Fall werden die einzubindenden Geo-Daten in digitaler Form benötigt um einen Verschnitt mit den ausgewiesenen Beständen zu ermöglichen. Die Bestände können dann auch größere Einheiten bilden und aus mehreren LRTs bestehen.
  • Flächenanteil des Lebensraumtyps in %
  • Vielfalt (VF), beschreibt die Vielfalt an Pflanzenarten als eine wesentliche Voraussetzung für einen leistungsfähigen Naturhaushalt
  • Naturnähe (NN), Naturnähe/Naturferne oder Natürlichkeit ist eines der zentralen Fachkriterien für eine ökologisch fundierte naturschutz­fachliche Bewertung von Waldbeständen
  • Bestandeszieltyp (BZT), BZT beschreiben als langfristiges Ziel eine planmäßig zu gestaltende Bestockung, die sich durch die flächenanteilige Zusammensetzung nach Haupt-, Misch- und Nebenbaumart(en) sowie durch den vertikalen und horizontalen Bestandesaufbau auszeichnet. BZT geben wichtige Hinweise für die standortsgerechte Baumartenwahl und die waldbauliche Behandlung stabiler und leistungsfähiger Bestände oder den Waldumbau noch nicht zielkonformer Bestockungen. BZT sind für die Bewirtschaftung des Landeswaldes verbindlich. Im Nicht-Landeswald bilden Sie die Grundlage für die Beratung und sind Beurteilungsmaßstab bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln für waldbauliche Maßnahmen.
  • Waldentwicklungstypen (WET), Waldentwicklungstypen umfassen Waldbestände mit vergleichbarem waldbaulichen Ausgangszustand und vergleichbarer Zielsetzung. Sie beschreiben die zweckmäßigsten Verfahren zur Erreichung dieser Zielsetzung unter Beachtung der Funktionenvielfalt des Waldes

#Anlage Weiterer Merkmalsgruppen und Merkmale

Im FIP2 Grid 1.3 *Weitere Merkmale des Bestandes** können Merkmale aus selbst deklarierten Merkmalsgruppen erfasst werden. Das Vorgehen zur Anlage von eigenen Merkmalsgruppen und Merkmalen in FIP2 wird im Folgenden an einem Beispiel erläutert.

Das Totholz des Bestandes soll in einem Forstbetrieb mengenmäßig über Totholzstufen erfasst werden. Dazu wird über das Menü Management/Merkmale/Gruppe eine neue Merkmalsgruppe "Totholz" angelegt.

FIP2 Merkmalsgruppe anlegen

Als allgemeine Information erfassen Sie den Namen, die Kennung, eine numerische Kennung der und die Modulzuordnung der neuen Merkmalsgruppe.

Wenn die Merkmalsgruppe angelegt ist, können die Merkmale erfasst werden.

FIP2 Merkmale erfassen

Im Beispiel wurden fünf Totholzstufen als Merkmale mit Namen, numerischer Kennung und Kennung erfasst.

Nach der Anlage der Merkmalsgruppe und der zugehörigen Merkmale können die Merkmale im Waldaufnahmebeleg für den Bestand im Grid 1.3 Weitere Merkmale des Bestandes erfasst werden.

Im Grid 1.3 Merkmale des Bestandes legen Sie einen neuen Datensatz an. Im Feld Gruppe wählen Sie die neue angelegte Merkmalsgruppe aus.

FIP2 Weitere Merkmale eingeben, Merkmalsgruppe auswählen

In der Spalte Merkmal wählen Sie jetzt das neu angelegte Merkmal Stufe 2 aus.

FIP2 Weitere Merkmale eingeben, Merkmal auswählen

Diese Verfahrensweise zur Anlage von Merkmalsgruppen und Merkmalen können Sie verwenden um Weitere Merkmale des Bestandes (Grid 1.3), Weitere Merkmale der Schicht (Grid 2.3) oder Weitere Merkmale der Baumarten (Grid 3.5) zu erfassen.

Im Zuge der Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist in FIP2 die Erfassung alternativer Baumarten möglich, auch wenn sie bisher standardmäßig noch nicht im Baumartenschlüssel enthalten ist. Diese Vorgehensweise wird im Folgenden erläutert.

Die Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), auch Gemeine Hopfenbuche genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hopfenbuchen (Ostrya) innerhalb der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie wurde in einem Forstbetrieb angebaut und soll bei der Erfassung mit FIP2 aufgenommen werden. Dazu ist die Baumart als Merkmal neu im Forstbetrieb anzulegen.

FIP2 Neue Baumart als Merkmal anlegen

Bei der Anlage einer neuen Baumart als FIP2 Merkmal ist die Zuordnung zu einer vorhandenen Standardbaumartengruppe zwingend, in unserem Beispiel zur Baumartengruppe Birken. Im Weiteren ist eine Ertragstafel für die Baumart zuzuordnen. Die textliche und numerische Kennung der Baumart muss eindeutig (nur einmal vorhanden) sein.

Wenn Sie die neue Baumart angelegt haben, können Sie die Baumart im Waldaufnahmebeleg erfassen.

FIP2 Neu angelegte Baumart erfassen