Merkmale der Schicht
Schichten (Si) werden nur bei Holzboden (HB) ausgeschieden. Bestände gliedern sich vertikal in Schichten. Die in diesem Abschnitt behandelten allgemeinen Schichtinformationen werden in FIP2 im Grid 2.1 Schichten (allgemein) erfasst.

In dem Grid 2.1 können für jede Schicht des Waldbestands wichtige allgemeine Informationen zum Zustand der Schicht sowie zu Vorrat und Zuwachs festgehalten bzw. angezeigt werden. Die Informationen sind entweder durch den Forsteinrichter zu messen bzw. gutachterlich einzuschätzen oder sie sind das Ergebnis von Berechnungen (Sekundärinformationen). Es können pro Waldbestand mehrere Schichten angelegt werden. Je Schicht sind einzugeben bzw. werden berechnet:
#Schichtart
In FIP2 können verschiedene Schichtarten (SiArt) erfasst werden. Die Schichtart beschreibt die vertikale Gliederung des Waldbestands. Ein sehr wichtiges Merkmal. Es wird die Kennung erfasst. Blößen erhalten generell die Schichtart 0.

In einem Bestand gibt es keine Dopplung von Schichten, das heißt, eine Schichtart kann nur einmal in einem Bestand vorkommen.
- Oberstand OB
- führende Bestandesschicht mit dem wirtschaftlichen Hauptgewicht, Schlussgrad (SG) größer/gleich 0,4
- Überhalt ÜH
- Schicht über dem Oberstand bzw. über der Blöße mit Resten des Vorbestands und annähernd gleichmäßiger Verteilung auf der Fläche; Schlussgrad kleiner 0,4
- Zwischenstand ZW
- Bestandesschicht zwischen Ober- und Unterstand mit mindestens halber Höhe des Oberstands aber erkennbar unterhalb des Oberstands; ist ab Schlussgrad größer/gleich 0,4 aufzunehmen und Fläche mindestens 0,3 ha
- Unterstand UN
- ist ab Schlussgrad größer/gleich 0,4 aufzunehmen, Höhe bis zur halben Höhe des Oberstands; künstliche Verjüngung ist immer aufzunehmen; Naturverjüngung ab 0,5 m Höhe;
- Altbäume (Restvorrat) RV
- Reste von Vorbestockungen oder auch ökologisch, ökonomisch oder botanisch wertvolle Bäume die nicht zum Überhalt zählen; sind ab 10 Vfm pro Bestand aufzunehmen Berechnung: Vorrat=BHD²x 0,4 x Höhe x Anzahl; i.a. keine gleichmäßige Verteilung auf der Fläche; Schicht wird ohne Fläche aufgenommen
- ungleichartig (plenterartig) UGL
- Bestände, die einen kleinstflächigen Wechsel von Bestandesschichten und eine deutliche Durchmesserdifferenzierung bzw. eine Altersspanne > 40 Jahre aufweisen.
- Aktualisierung AKT
- nicht zu verwenden, nur für die interne Verarbeitung
- Bloesse BL
- Diese Schichtart gilt für unbestockte Flächen. Unbestockt ist eine Fläche, wenn der SG im Oberstand kleiner 0,4 ist; ÜH oder RV können vorhanden sein; Mindestgröße 0,1 ha bzw. Festlegung zur Einleitungsbesprechung
Ein Bestand, mit einem Schlussgrad kleiner 0,4 im Oberstand, ist eine unbestockte Fläche, sprich Blöße, ÜH oder AB/RV können vorhanden sein.
Die Unterteilung der plenterartigen Bestockungen in Oberholz, Mittelholz und Unterholz ist prinzipiell möglich, sollte aber nur bei Forsteinrichtungen in Forstbetrieben mit plenterartigen Bestandesstrukturen auf der gesamten Betriebsfläche erfolgen.
#Taxationsvariante der Schicht
Zur Taxation des Schlussgrades (SG) stehen in FIP2 verschiedene Taxationsvarianten (TaxV) zur Verfügung. Der Forsteinrichter entscheidet in jedem Aufnahmebestand über die anzuwendende Taxationsvariante in Abhängigkeit von den Bestandesverhältnissen.
Es bestehend folgende Forderungen zur Taxation des Schlussgrades:
- ab einem Mitteldurchmesser von 15 cm ist die Grundfläche mittels Winkelzählprobe nach Bitterlich zeilenweise zu ermitteln. (siehe nachfolgenden Abschnitt Grundfläche der Schicht)
- bei einem Mitteldurchmesser zwischen 7 und 15 cm ist der SG mittels Stammzahlvergleich (Ertragstafel) zu schätzen und ggf. mit der Grundfläche abzugleichen
- bei einem Mitteldurchmesser unter 7cm ist der SG mittels Schlussgradgruppen zu schätzen (Erläuterung folgt weiter unten im Text)
- in Beständen mit Sichtbehinderung ist der SG über den Kronenschluss zu schätzen (Erläuterung folgt weiter unten im Text)
- in allen Schichten in denen keine Grundfläche gemessen werden kann und der SG der Schicht deshalb geschätzt wird, ist der Anteil der Mischbaumarten zu schätzen (Anteilzehntel oder Fläche).
Taxationsvarianten definieren für jede Schicht des Waldbestandes die Art der Erfassung der Primärinformationen im Wald und gleichzeitig den Berechnungsalgorithmus für Sekundärinformationen. Es wird zwischen Spezialvarianten, Haupt- und Alternativvarianten unterschieden. Die Varianten können wie folgt grob gegliedert werden:


- Taxationsvariante 1 "Blöße"
- Die Taxationsvariante 1 wird bei Blößen verwendet. Es wird in der Schicht Grid 2.1 die Fläche eingegeben. Im Grid 3.1 Baumarten ist nur die Baumart BL=Blöße einzugeben

Es existiert eine hilfreiche Funktion "Erstelle Blöße" (Rechtsklick auf Kopfzeile im Grid 1.1) mit dem die Schicht- und Baumarteninformationen für die Blöße automatisch eingetragen werden. Im Einzelfall kann der Forsteinrichter dann noch bspw. einen Überhalt oder RV ergänzen.

- Taxationsvariante 3 "Hauptvariante Baumholz"
- Bei der Taxationsvariante 3 sind die Schichtfläche (ha), die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und die Grundflächen (m²/ha) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten zu taxieren.
Für Bestände eines Forstbetriebes kann als Referenzwert für die Berechnungen die Mittelhöhe oder die Oberhöhe verwendet werden. Dieser Referenzwert wird auf dem Waldaufnahmebeleg im Einstellungsmenü [Einstellen/Referenzwert (Berechnungen)] ausgewählt.

Die Einstellung des Referenzwertes für Berechnungen bleibt solange aktiv, bis sie geändert wird. Wenn Sie für Einzelbestände zum Beispiel die Oberhöhe gemessen haben (weil im Bestand Mittelhöhemessungen durch Sichtbehinderung nicht möglich waren) für andere Bestände jedoch die Mittelhöhe, müssen Sie die Referenzwerteinstellung für die betroffenen Waldbestände im Waldbeleg für die erste Berechnung mit der gemessenen Höhe jeweils auf die Oberhöhe einstellen. Für Folgeberechnungen ohne Änderung der Höhe sind Referenzwerteinstellung zur Höhe unerheblich.

- Taxationsvariante 6 "Alternativvariante Baumholz"
- Die Taxationsvariante 6 wir bei Sichtbehinderung (Grundflächenmessung nicht möglich) verwendet. Erfasst wird die Schichtfläche (ha), die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und der absolute Vorrat (Vfm) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten.

- Taxationsvariante 16 "Hauptvariante Kulturen/Dickungen"
- Die Taxationsvariante 16 ist für Kulturen und Jungwüchse zu verwenden. Erfasst wird die Schichtfläche (ha), die Schlussgradgruppe der Schicht, die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und die Anteilfläche der Baumart (%) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten.

Folgende Schlussgradgruppen sind zu verwendet:
- 0,4 Wiederholung
- sehr stark reduzierte Pflanzenzahlen der Hauptbaumart (-en), die noch vorhandene Pflanzenzahl kann auch nicht durch angekommene Füll- und Treibhölzer ausgeglichen werden. Zum Erreichen des Bestockungszieles muss die Verjüngungsmaßnahme wiederholt werden.
- 0,7 Nachbesserung
- stark reduzierte Pflanzenzahlen der Hauptbaumart (- en), das Erreichen des Bestockungszieles ist gefährdet.
- 1,0 vollbestockt
- zum Erreichen des Bestockungszieles ist eine ausreichende Anzahl von Planzen der Hauptbaumart (-en) vorhanden.
- 1,2 überbestockt
- eine zum Erreichen des Bestockungszieles mehr als ausreichende Planzenanzahl der Hauptbaumart (- en) ist (sind) vorhanden. Pflegemaßnahmen sind dringend notwendig
Ableitung des Schlussgrades aus dem Kronenschlussgrad

In Beständen mit Sichtbehinderung und/oder Beständen in denen Vorrat schwer ableitbar ist und deshalb die Taxationsvarianten 3 und 6 nicht anwendbar sind, kann die Taxationsvariante 16 verwendet werden
- Taxationsvariante 4 "Alternativvariante Kulturen/Dickungen"
- Bei der Taxationsvariante 4 ist die Schlussgradgruppe der Schicht, die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und die absolute Fläche (ha) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten zu erfassen.

- Taxationsvariante 15 "Altbäume/Restvorräte"
- Die Taxationsvariante 15 wird nur für die Schichtart "Altbäume" (Restvorrat) verwendet. Erfasst wird die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und der absolute Vorrat (Vfm) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten.

- Taxationsvariante 14 "Alternativvariante Altbäume/Restvorrat"
- Die Taxationsvariante 14 wird nur für die Schichtart "Altbäume" (Restvorrat) verwendet. Erfasst wird die Baumart, das Alter (a), die Höhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm) und die Stammzahl (Stck) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten.

- Taxationsvariante 9 "ungleichaltrige Behandlungseinheiten"
- Die Taxationsvariante 9 ist eine Spezialvariante und für Plenterwald zu verwenden. Erfasst wird die Schichtfläche (ha), die Baumart, die Oberhöhe (m), der Brusthöhendurchmesser (cm), die relative Bonität, die Anteilfläche der Baumartenzeile (%) und der Vorrat je Hektar (Vfm/ha) der an dieser Schicht beteiligten Baumarten.

#Fläche der Bestandesschicht
Die Fläche der Bestandesschicht wird als Anteilfläche der Schicht (Si-ANT) und als Fläche absolut der Schicht (Fläche) angegeben und ist für alle Bestandesschichten mit Ausnahme der Schicht Altbäume (Restvorrat) in % bzw. in Hektar mit zwei Nachkommastellen anzugeben. In der Regel korrespondieren die Fläche der Schichten mit der Fläche des Bestandes untereinander.
Für jeden Bestand muss eine Schicht OB oder BL ausgewiesen werden und diese muss dann 100 % der Bestandesfläche einnehmen.
Bei nicht vollflächig vorkommenden übernahmewürdigen Unterständen kann die reduzierte Fläche angegeben werde. Übernahmewürdig ist ein Unterstand, wenn er perspektivisch Oberstand (Folgebestand) werden soll und mindestens einen Schlussgrad von 0,7 hat.
#Schlussgrad der Schicht
Der Schlussgrad der Schicht (SG-Si) ist Maß der Bestandesdichte und wird aus dem Bestockungsgrad (Quotient aus Ist-Grundfläche und Ertragstafelgrundfläche), dem Volumenschlussgrad (Quotient aus Ist-Vorrat und dem Ertragstafelvorrat) oder dem Kronenschlussgrad abgeleitet.
Zur Taxation des SG stehen in FIP2 verschiedene Taxationsvarianten (TaxV) zur Verfügung.
#Grundfläche der Schicht
Die Grundfläche der Schicht (GF-Si) in m²/ha ergibt sich aus der Summe der Grundflächen der Baumartenzeilen der Schicht.
Der Schlussgrad (Kronenschlußgrad, Volumenschlußgrad) wird je nach Wuchsklasse und Taxationsvariante entweder durch gutachterliche Schätzung ermittel oder mittels Winkelzählprobe gemessen. Folgende Varianten sind denkbar und sinnvoll:
- Bestandesmitteldurchmesser < 7cm (Nichtderholz): Gutachterliche Schätzung des Schlussgrades der Schicht (SG-Si) in Anhalt an den Kronenschlußgrad
- Bestandesmitteldurchmesser >= 7cm (Derbholz): Sichtverhältnisse lassen keine Winkelzählprobe zu; gutachterliche Schätzung des Schlussgrades der Schicht (SG-Si) in Anhalt an den Kronenschlußgrad
- Bestandesmitteldurchmesser>= 7cm (Derbholz): Sichtverhältnisse lassen Winkelzählprobe zu; Berechnung der Schlussgrade der einzelnen Baumartenzeilen und des Schlussgrades der Schicht erfolgt programmintern
Weitere Informationen zur Grundfläche finden Sie unter Grundfläche im Abschnitt Merkmale der Baumarten.
#Vorrat der Schicht
Der Vorrat der Schicht wird als Vorrat absolut der Schicht (VGes-Si) und Vorrat je Hektar der Schicht (V-Si-[ha]) berechnet und ist die stehende Menge Holz der Schicht mit einem Brusthöhendurchmesser größer gleich 7 cm und wird für Derbholz in Vorratsfestmeter (Vfm) bzw. (Vfm/ha) angegeben.
#Zuwachs der Schicht
Der Zuwachs der Schicht wird als Zuwachs absolut der Schicht (ZWgesSi) und Zuwachs je Hektar der Schicht (ZW-Si-[ha]) berechnet und wird für Derbholz in Vorratsfestmeter (Vfm) bzw. (Vfm/ha) angegeben.
#Kronenschlussgrad der Schicht
Der Kronenschlussgrad der Schicht (KS) ist ein Maß für die Bestandesdichte bzw. für die Flächenbesetzung durch die Bäume der Schicht.
Folgende Kronenschlussgrade der Schicht können erfasst werden:

#Pflegezustand der Schicht
Der Pflegezustand der Schicht gibt an, ob eine Bestandesschicht gepflegt oder ungepflegt ist.
Schlechtwüchsiger oder fehlender Zwischen- und Unterstand, schlechte Kronenausformung der Bestandsmitglieder bzw. der konkurrenzschwachen Mischbaumart und ein überdurchschnittlich hoher Anteil an qualitativ schlechten Bäumen sind in der Regel das Ergebnis einer ungenügenden Pflege des Oberstandes.

#Klumpung der Schicht
Die Klumpung der Schicht, auch Dispersion genannt, beschreibt das räumliche Verteilungsmuster der Bäume der Schicht.
